HOG Bakowa: Zum Tod von Dr. Karl Singer

Gemeinschaft war ihm immer wichtig

Am 9. Mai ist Dr. Karl Singer in Temswar im Alter von 74 Jahren gestorben.

Seine Familie und viele Freunde haben ihn auf seinem letzten Weg bis zum Friedhof nach Bakowa begleitet, wo er in der Heimaterde seine letzte Ruhestätte gefunden hat.

Als erstes Kind einfacher Leute wurde Karl Singer am 5. September 1940 in Cozmeni (Siebenbürgen) geboren. Nachdem sein Vater Mathias Singer mit der kleinen Familie in seine Heimatgemeinde Bakowa zurückgekehrt war, wuchs Karl wohlbehütet in der Obhut von Mutter Rosalia auf, die ihn zärtlich "Kartschi" nannte. Mit diesem ungarisch angehauchten Kosenamen später auch von seinen Freunden angesprochen zu werden, hat ihm gefallen. Karl und seine drei jüngeren Geschwister Katharina, Anton und Rosalia haben ihre Kindheit in Bakowa verbracht. So hat er schon als Kind verantwortungsbewusst leben gelernt. Johann Wolfgang Goethes Aussage "Vom Vater hab ich die Statur, des Lebens ernstes Führen, vom Mütterchen die Frohnatur..." trafen auch auf Karl zu. Sein ehrliches, offenherziges und sonniges Gemüt hat es ihm leicht gemacht, schon während seiner Schulzeit von 1947 bis 1954 in der Allgemeinschule von Bakowa Freundschaften zu schließen, die er Zeit seines Lebens auch gepflegt hat. Nach seinem Abschluss an der Deutschen Pädagogischen Lehranstalt von Temeswar war er von 1958 bis 1963 als Deutsch-Lehrer in Orawitz tätig. Anschließend hat er bis 1968 die Fakultät für Wirtschaftskybernetik in Bukarest besucht. Wieder zurück im Banat, hat er 1975 in Temeswar an der Fakultät für Mathematik und Physik seinen Abschluss gemacht, während er gleichzeitig ab 1970 bis im Jahr 2000 auch als Hochschullehrer an der Universität tätig war. 1989 promovierte er zum Doktor der Wirtschaftsmathematik.

 

Trotz des beruflichen Werdeganges ist das Privatleben von Karl Singer nicht auf der Strecke geblieben. Aus seiner Ehe mit Edith Reinert ging 1971 Sohn Harald und und fünf Jahre später Tochter Karla hervor. Auch wenn er in Temeswar mit seiner Familie ein neues Zuhause gefunden hatte, war es ihm ein Herzensan-liegen, dass seine Kinder sich auch bei den Großeltern in Bakowa heimisch fühlen und das Landleben kennen- und lieben lernen. So konnte es auch nicht ausbleiben, dass Harald und Karla schon von Kind auf mit dem schwäbischen Brauchtum vertraut wurden. "Matzi-Bacsi" und "Rosi-Neni" - wie die Eltern von Karl im Dorf genannt wurden - konnten mit Recht stolz darauf sein, dass ihr Sohn auch in späteren Jahren nicht nur an großen Feiertagen, sondern an jedem freien Wochenende den Weg zurück nach Bakowa gefunden hat. Und wie kurz bemessen seine Zeit auch jedes Mal war, so hat er doch stets danach getrachtet, bei jedem Besuch in Bakowa auch immer einen Nachbarn oder Freund aus Kindertagen zu treffen. Er verstand es, durch seine detaillierten Erzählungen längst vergangene Begebenheiten mit seinem jeweiligen Gesprächspartner aus der Erinnerung erneut zum Leben zu erwecken. Und er hat jede Begegnung genossen.

Durch die Spätaussiedlung in den achtziger Jahren musste Karl Singer sich von vielen Landsleuten verabschieden. Dadurch wurde sein Freundeskreis und der Kreis der Deutschen im Banat im Allgemeinen immer kleiner. Das hat ihn zu einem neuen Aufgabenbereich geführt: den Zusammenhalt der deutschen Minderheit in Rumänien zu organisieren und zu fördern. So kam es, dass er ein Mann der ersten Stunde war, als das Demokratische Forum der Deutschen im Banat gegründet wurde. Als Vorsitzender desselben hat er sich fast 25 Jahre lang unermüdlich für die Belange der im Banat verbliebenen Deutschen eingesetzt. Besonders in der Sozialfürsorge hat er sich ununterbrochen leidenschaftlich engagiert, ungeachtet seiner gesundheitlichen Einschränkungen in den letzten Jahren. In seinem Bestreben, deutsche Kultur und Tradition zu bewahren und weiterzugeben, wurde er von seiner Frau Edith tatkräftig unterstützt. Das Mitwirken seiner Kinder Harald und Karla im Jugendtrachtenverein "Banater Rosmareiner" hat es ihm erleichtert, die Jugend heranzuziehen und für Sitte und Brauchtum mit der Begeisterung anzustecken, die in seinem Herzen brannte.

 

Beruflich wie auch privat wurde Karl Singer hoch geschätzt - nicht zuletzt auch deshalb, weil er selbst sein Gegenüber stets als Menschen wertgeschätzt hat, ungeachtet dessen Herkunft und Nationalität. Wie er seinen beruflichen Werdegang mit dem privaten Leben zu verbinden gewusst hat, zeichnete ihn als Lebenskünstler aus. Als solcher wird er in der Erinnerung seiner Familie, Freunde und Landsleute weiterleben.

 

Möge seine Seele ruhen im ewigen Frieden!

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