HOG Bakowa: Neben der Pflege und dem Erhalt unserer Dorfgemeinschaft ist die Allgemeinpflege des Friedhofes unserer alten Heimat eine Herzenssache

 

Gründlich recherchiert und sehr gut beschrieben wurde die Entstehung unseres Heimatfriedhofes, beginnend mit der Einwanderung bis zur nahezu vollständigen Auswanderung unserer Landsleute, durch unseren Landsmann Andreas Vincze in der „Monographie der Banater Heckengemeinde Bakowa“:

Der Banater Heimatforscher Karl Kraushaar hat darauf hingewiesen, dass „es im schwäbischen Banat keine Friedhöfe um die Kirche gibt. Sie haben ihren Platz außerhalb des Ortes gefunden,“ und weiter, dass „manche Gemeinden Friedhöfe besitzen, auf denen man miteinander wetteifert, den Toten recht ansehnliche denkmal- und steinplattengeschmückte Grabstätten zu bereiten.“ Zu diesen Gemeinden zählt, zweifelsohne auch Bakowa.

Der Bakowarer Friedhof wurde bei der Ansiedlung dort ausgesteckt, wo er sich auch heute noch befindet, nämlich 150 m südlicher Richtung vom Dorfrand entfernt, an der Bahnlinie Temeswar - Busiasch. Er war anfangs auf nur zwei Joch bemessen worden und wurde auch alsbald gebraucht, denn schon in den ersten Jahren waren Tote in großer Zahl zu beklagen. Es sollte sich nach nur wenigen Jahrzehnten herausstellen, dass das Areal zu klein war, und so hat man es auf vier Joch (etwa 25.000 m²) erweitert. Umzäunt war der Friedhof mit einem Holzlattenzaun, der im Laufe der Jahre des Öfteren erneuert werden musste. In den Jahren 1968 - 70 wurde diese Umfriedigung ersetzt; es kamen Eisenstützen in die Erde, und anstelle der Holzlatten wurde ein Drahtnetzgeflecht angebracht, während das Eingangstor kunstgerecht aus galvanisiertem Eisen hergestellt wurde.

Die Gräber hat man 150 Jahre lang unplanmäßig angelegt, was dem Aspekt überhaupt nicht dienlich war. Nur eines war festgelegt: die tot geborenen sowie ungetauft verstorbenen Kinder mussten separat und ohne kirchliches Beerdigungszeremoniell - wie Ausgestoßene - am Friedhofsrand, dem Zaun entlang, beerdigt werden. Erst 1932 schritt man zur Systematisierung des Friedhofs, und im Laufe von etwa fünf Jahren wurden die Gräber nach einem vorher entworfenen Plan in geraden Reihen angeordnet; 1974 - 75 sind alle Hauptwege mit Betonquadern ausgelegt worden. Vom Dorfrand zum Friedhof und weiter bis zum Bahnhof führt ein Betonplattengehsteig und eine schön angelegte Pappelallee.

 

In der Mitte des Friedhofs befindet sich eine kleine Kapelle. Sie ist eigentlich eine Gruft der Familie Gettwan und wurde nie als Leichenhaus benutzt. In Bakowa war es bis in die jüngste Vergangenheit immer Sitte, die Verstorbenen bis zur Beerdigung - ein, zwei Tage lang - im Wohnhaus in der Stube aufzubahren. Anlässlich der 200-Jahr-Feier Bakowa´s wurde auch der Dorffriedhof noch einmal generalüberholt und darin ein Denkmal für die Opfer des Zweiten Weltkrieges und der Russlandverschleppung errichtet. Um das Denkmal ist aus einer Anzahl von alten Grabsteinen, die „Ahnengalerie“, kunstvoll angelegt worden. Schon immer, aber besonders in den letzten fünfzig Jahren vor der Auswanderung, waren die Bakowarer bestrebt, schöne Grabstätten anfertigen zu lassen. Was besonders beeindruckte, war die Sorgfalt, mit der der Friedhof regelmäßig gepflegt, in Ordnung gehalten und geschmückt wurde. So mancher mit der Eisenbahn vorbeireisende Fremde hat sich darüber bewundernd und lobend geäußert. Außergewöhnlich schön geschmückt wurde er alljährlich zu Allerheiligen: Da sah er immer wie ein Blumengarten aus, und wenn es nach der Allerseelenprozession abends dunkelte, leuchteten tausende Kerzen weithin wie ein Lichtermeer.

Das kommunistische Regime hat immer mit allen Mitteln versucht, religiöse Begehungen in der Öffentlichkeit einzuschränken oder zu verhindern. So gab es eine Zeit, in der alle Prozessionen untersagt waren. Es nahte das Allerheiligenfest, und man durfte die Allerseelenprozession nicht organisieren; da warf sich die Frage auf, wie das Verbot zu unterlaufen sei. Und wie so oft in ähnlichen Situationen wurde auch diesmal ein Ausweg gefunden: Kurz vor Allerheiligen war jemand in Bakowa gestorben, so dass man dessen Begräbnis dann eben am Allerseelentag vornahm. Das ganze Dorf hat an diesem Begräbnis teilgenommen, und das Zeremoniell wurde so abgeändert, wie es zu Allerheiligen seit eh und je üblich war. Eine Aussiedlerin aus Bakowa hat gelegentlich des Abschiednehmens von unseren Toten schmerzerfüllt ausgerufen: „Ach, könnten wir doch unseren schönen Friedhof, wenigstens unsere Gräber, in die neue Heimat mitnehmen!“ Mögen unsere Toten in Frieden ruhen und lange Zeit Zeugen unserer einstigen Anwesenheit bleiben. Den Friedhof wollen wir hinfort als das wichtigste Symbol der Verbindung zwischen unserer einstigen und neuen Heimat unvergessen in Erinnerung bewahren und pflegen.

Als Ende der 70er Jahre mehreren jugendlichen Bakowarern die Flucht gelungen war, begannen die hinterbliebenen Familien mit Auswanderungs-Vorbereitungen. Dazu gehörte vor allem die Versieglung der Gräber. Es war abzusehen, dass eine weitere Pflege der hinterlassenen Gräber nicht möglich sein wird. Deshalb gaben sie schweren Herzens die Versieglung der Gräber, mit Einfassung und granitbesetzten und geschliffenen Betondeckeln, in Auftrag. Mit Zunahme der Auswanderung in den 80-ger Jahren bis zum Anfang der 90-ger verwandelte sich der ehemalige blumengeschmückte Friedhof in eine Betonwüste.

 

Es war abzusehen, dass auch die allgemeine Friedhofspflege unter dem Fortgang der überwiegend schwäbischen Dorfbevölkerung leiden wird, dass der Friedhof und somit die letzte Ruhestätte unserer Ahnen der Verwilderung preisgegeben sein wird. Deshalb setzte sich die Heimatortsgemeinschaft seit Anfang der 90-ger für die Allgemeinpflege unseres Heimatfriedhofes ein. Dabei ging es vor allem um die Sicherstellung finanzieller Mittel. Durchgeführt wurden die allgemeinen Pflegearbeiten durch im Heimatort verbliebenen Landsleute. Das waren bis in das erste Jahrzehnt des 21-ten Jahrhunderts Karl Wichland und Nikolaus Popilar. Es folgten Helene und Karl Buchall bis Ende 2017. Nach einem missglückten Versuch mit einem Neubürger in der ersten Jahreshälfte 2018, übernahm unser Landsmann in der alten Heimat Vasile Vidov für ein Probejahr. Ende 2018 und 2019 ließ unsere Heimatortsgemeinschaft umfangreiche Planierungsarbeiten der freien Flächen und Auffüllarbeiten der Wege durchführen, um eine gefahrenfreie und effektivere Pflege der Wege und Friedhofswiesen sicherstellen zu können. 2020 galt es wieder einen neuen Service Lieferanten zu finden und vertraglich zu verpflichten. Dieses unaufschiebbare Vorhaben sollte sich im Pandemiejahr nicht einfach gestalten. Doch Dank dem vorbildlichen Engagement unseres Kassenwartes Anton Hotter, ist auch das gelungen. Gelungen ist es vor allem Dank unserer Landsleute, die immer wieder für den Erhalt der letzten Ruhestätte unserer Ahnen spenden.

2020 waren es: Abendschein Erwin u. Anna, Acs Martin u. Herta, Albrecht Josef u. Katharina, Atsch Theresia, Balog Magdalena, Bambusch Josef, Bambusch Walter u. Susanne, Batzina Helmut u. Gerlinde, Bayerle Ernst u. Silke, Berta Annemarie Petla, Blum Werner u. Anna (Lowas), Breidecker Jens u. Dorothea (Quast), Csapo Maria, Didicher-Bischof Edeltraud (Formanek)u. Felix, Dömich Christian u. Irmgard (Wichland), Ducsek Johann u. Maria, Eder Arnold u. Herta (Lovasz), Eisele Johann u. Anne Marie, Fischer Ewald u. Hildegard, Flohr Anton, Flohr Eva, Flohr Johann u. Helene, Flohr Maria, Formanek Franz u. Adele, Formanek Josef u. Katharina, Fröhlich Maria (Karabensch), Frombach Eva, Funk Dietmar u. Georgeta, Funk Erika (Csapo), Gayer Nikolaus u. Hildegard (Tochera), Geiger Käthe (Konschitzky), Geiger Reinhold u. Wilhelmine, Gerger Gerhard u. Hilde (Dassinger), Giljon Rudolf, Gion Heinrich, Gion Magdalena, Grimm Hildegard, Halmer Werner u. Anni, Hiller Alfred, Horak Adolf u. Valeria, Horak Waldemar-Franz, Hotter Anton u. Doina, Hotter Ralf u. Franziska, Hubov Norbert u. Marianne, Huth Alfred u. Anna, Huth Maria, Istfanutz Oswald, Karabensch Josef u. Elisabeth, Kitzl Albert u. Christiane, Klupp Herbert u. Helga, Klupp Johann u. Maria, Konschitzky Walther u. Aneta, Kühn Josef u. Maria, Landsmann Elisabeth, Laub Herwig u. Monika (Wolf), Liep Anna, Liep      Erich u. Annemarie, Lipp Elisabeth, Lipp Gerhard, Lipp Gerhardt u. Roxana, Lovasz Emil u. Maria, Lovasz Reinholdt, Lowas Josef, Matzak Gerlinde, Pazina Erika, Petla Hermina, Petla Hildegard, Petla Roland u. Katharina, Pettla Katharina, Pettla Hilde, Pfleger Karl u. Hanni, Pletl Katharina (Langer), Poor Sieglinde (Weber), Pop Monica, Popilar Josef u. Maria, Popilar Josef u. Maria, Quast Maria, Quast Detlef, Reinert Erich u. Karin, Richter Günther, Richter Hildegunde, Rosu Valeriu u. Maria (Berwanger), Sandula Ferdinand u. Herta, Schestak Helene (Zwick), Schinka Eduard u. Inge, Schinka Maria, Schlapansky Eduard u. Katharina, Schlapansky Harald, Sopek Agneta Helene, Staat Peter u. Rosa (Türk), Stöckl Agathe (Keller), Tabar Eva, Taugner Richard u. Monika, Türk Katharina, Vavra Helga (Wichland), Vincze Andreas, Weber Magdalena, Weber Richard u. Anna, Weinschrott Anton u. Anna-Eva, Wendl Detlef u. Anni (Formanek), Werosta Werner u. Lotte (Formanek), Wichland Jakob u. Helga, Wolf Georg, Wolf Hans u. Gerlinde, Wolf            Rosalia, Zwick Karl u. Maria, Croshaw Fred (USA), Hubov Josef (Nachlass), Wichland Anton (Nachlass).

Allen Spendern ein herzliches Vergeltsgott.

 

Foto und Text: Ernst Bayerle

 

 

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