Die Schatzgräber von Bakowa

Kirchweih-Montag im Weinberg

 

Wenn die Banater Schwaben das Kirchweihfest feierten, gehörten Gastfreundschaft und geselliges Beisammensein, gutes Essen und ein edler Tropfen Wein schon immer dazu. Daran hat sich bis heute kaum etwas geändert, nur dass die Zeitspanne des Feierns an die Verhältnisse angepasst werden musste. Davon konnten sich alle überzeugen, die aus Deutschland angereist waren, um am 22. Mai das Kirchweihfest in Bakowa mitzufeiern, das bis zur Zeit der Aussiedlung von den Bakowaern über Generationen hinweg- anfangs im Oktober, später Ende August - innerhalb einer Woche vier Tage lang mit Gottesdienst, Trachtenumzug, Musik und Tanz gefeiert wurde.

Doch für die Feier des Kerweih-Montags nach diesem Kirchweihfest hatte sich die Vorstandschaft der HOG Bakowa etwas Besonderes ausgedacht: eine Weinprobe im Silascher Weinberg, dem Ursprung des guten Weines, für den Bakowa auch in seiner weiteren Umgebung bekannt war. Um das Besondere daran zu verstehen, bedarf es einer kurzen Vorgeschichte zu Bakowa und seinen Bewohnern.

Wie Gottfried August Bürger es in seinem Gedicht "Die Schatzgräber" verfasst hat, haben die Bakowaer nach ihrer Ansiedlung im Banat ziemlich rascht entdeckt, dass in ihrem Weinberg (damit war vor allem der Silascher Berg gemeint, wo sie ab Mitte des 19. Jahrhunderts Parzellen erstanden und Weingarten angelegt hatten) ein Schatz verborgen lag. Jedoch lagen die Weingärten überwiegen in einer Entfernung von fünf bis zwölf Kilometer vom Dorf entfernt und es war beschwerlich, täglich diesen Weg zweimal zurückzulegen, vor allem auch wegen der besonderen  Gerätschaften, die oft voluminös und schwer, dennoch unabdingbar bei der Arbeit im Weinberg waren. So war es nicht weiter verwunderlich, dass sich die Bakowaer, die sich mittlerweile sehr leidenschaftlich dem Weinbau widmeten und somit Tage und Wochen im Weinberg verbrachten, dort Häuschen errichteten, meist auch mit Stallung und Geräteschuppen. Schnell ergab sich daraus ein zweckmäßiges Miteinander, das tagsüber bestimmt war von der schweren Arbeit im Weinberg, von der sich die Menschen am Feierabend dann häufig gemeinsam erholten, so dass daraus eine neue Art von Gemeinschaft erwuchs. Nachdem im Jahre 1932 dann schließlich auch eine Kapelle auf einem von Martin Mazarek gestifteten Grundstück mitten in den Weingärten errichtet war, begleitete tägliches Glockengeläut die Arbeit und das Leben während der Woche im Weinberg. An klaren Tagen konnte man vom Gipfel des 326 m hohen Berges, auf dem die Kapelle heute noch steht, den Kirchturm von Bakowa mit freiem Auge ganz deutlich sehen und abends auch das Läuten der Kirchenglocken aus den umliegenden Dörfern hören. Das kommt auch zum Ausdruck in dem Gedicht "Feierabend am Weinberg" von Josef Atsch, der, wie viele andere seiner Generation auch, schon als Kind im Weingarten mithelfen musste und sich in folgenden Zeilen daran erinnert: Ich saß einst am Hang, unter dem alten Kirschbaum bei Großvaters Haus / und ruhte mich von der harten Arbeit des Tages aus.... / Man hörte von Turm zu Turm das Glockenläuten, / als wären es tausend goldene Saiten - / Glocken aus den Heimischen Dörfern. / Und das Glöcklein von der Bergkapelle, / es klang, als trug es eine sanfte Welle / weit ins Land hinaus. / Das war meine Heimat, das war mein Zuhaus.

So war es wohl für viele, die am Kirchweih-Montag im Weinberg dabei waren und das Leben dort seinerzeit selbst miterlebt hatten oder aus den Erzählungen von Eltern und Großeltern kannten, wie ein zweites Heimkommen, als das Glockengeläut der Bergkapelle zu Beginn der Maiandacht "Über die Berge schallt' ". Denn, so wie seinerzeit am Urbani-Tag, dem 25. Mai, eine Prozession in den Silascher Weinberg kam und in der Kapelle ein Bittgottesdienst zum Hl. Urban, dem Schutzpatron der Winzer und Weinbauern, zelebriert wurde, so hatten sich die Bakowaer und ihre Gäste an diesem Kirchweihmontag, dem 23. Mai,  im Weinberg um die Kapelle versammelt, um mit Pfarrer Eugen Vodila und Ignatz Fischer unter freiem Himmel Maiandacht zu feiern. Und obwohl die Sonne hoch am Firmament stand, erklang "Leise sinkt der Abend nieder"als Schlusslied der Maiandacht, um symbolisch an die Gemeinschaft jener fernen Zeit im Weinberg zu erinnern, die oft, um die Kapelle versammelt, ihr Tagwerk mit diesem Lied beendet hat, -wie Käthe Schlapansky erklärte. Der ausführliche Bericht von Anni Weinschrott zur Entstehungsgeschichte der Kapelle im Weinberg war recht anregend für die Anwesenden jeder Generation: für die ältere, um Schätze ihrer Erinnerung zu heben, und die jüngere, um nach den Schätzen der Geschichte ihrer Vorfahren zu graben. Im Anschluss daran war der Imbiss und die Weinprobe in dem nahe an der Kapelle gelegenen Wirtschaftshof "Buttenberg" richtig wohltuend und erfrischend zugleich. Während die Weinkenner nach einer ersten Kostprobe ausgiebig fachsimpelten und jeder den Imbiss, besonders den frischen "Griewekuche" (Grammelpogatschen) genoss, sorgten die Freiburger Eisenbahner Musikanten mit ihrer hervorragenden Musik erneut für gute Stimmung, so dass viele es nicht unterlassen konnten, schon in der heißen Mittagssonne das Tanzbein zu schwingen, statt damit zu warten bis zum Kirchweihmontagsball am Abend im Kulturheim von Bakowa, mit dem die Feierlichkeiten ihren Ausklang fanden.

 

Hildegard Grimm

 

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