Zum Tode von Alfred Huth

 

   Ein Leben für die Gemeinschaft

 

Der ehemalige Kulturreferent des Landesverbandes Baden-Württemberg der Landsmannschaft der Banater Schwaben, Studiendirektor i. R.  Alfred Huth, ist am 6. Dezember 2020 im Alter von 97 Jahren  verstorben.

Als drittes Kind von Josef Huth und Katharina Weinschrott kam er 1923 in Bakowa zur Welt. Dort besuchte er die Volksschule, danach bis 1943 die Katholische Deutsche Lehrerbildungsanstalt der Banatia in Temeswar. Erst nach den Kriegswirren konnte er endlich als Volksschullehrer unterrichten; zuerst in Bakowa, danach in  Deutschbentschek und schließlich in Jahrmarkt. Stets an Weiterbildung interessiert und trotz junger Familie, erwarb er während dieser Zeit im Fern- und Abendunterricht an den Universitäten von Klausenburg und Temeswar sein Diplom als Lehrer für Mathematik und Physik am Gymnasium.   

Aufgrund seiner didaktisch-pädagogischen Fähigkeiten und seiner sprachlichen Stilsicherheit  wurde ihm 1956 eine Anstellung beim staatlichen deutschen Schulbuchverlag in Temeswar angeboten. Dort arbeitete er als leitender Redakteur, verantwortlich für die deutschen Lehrbücher der Fächer Mathematik und Physik, bis zu seiner Ausreise 1965 in die Bundesrepublik Deutschland.

Mit seiner Familie fand er in Waibstadt in der Nähe von Heidelberg eine neue Heimat und am Gymnasium im benachbarten Neckarbischofsheim ein neues Betätigungsfeld als Lehrer für Mathematik und Physik.

Auch hier hat er sich als Lehrer über das übliche Maß hinaus in der Schule engagiert. Noch heute berichten ehemalige Schüler von der Begeisterung, die er für seine Fächer hatte und die er an sie weitergeben konnte.

So blieb es auch nicht aus, dass er Studienrat, Oberstudienrat, Studiendirektor und stellvertretender  Schulleiter wurde.

Auch neben seinem Beruf war er vielseitig interessiert, konnte sich vor allem für Musik und Literatur begeistern. 

Gerade sein Interesse an Literatur und die Verbundenheit mit seiner alten Heimat, sowie die lebenslange Freundschaft mit Jakob Laub, dem ehemaligen Bundesvorsitzenden der Landsmannschaft der Banater Schwaben, brachte ihn dazu, sich als Kulturreferent des Landesverbandes Baden-Württemberg der Landsmannschaft der Banater Schwaben einzubringen.  Die alljährlich von ihm organisierten Kulturtagungen in Sindelfingen wurden zu einem festen Bestandteil des Banater Kulturlebens in Deutschland.

„Nikolaus Lenau, ein deutscher Dichter aus dem Banat“, ist der Titel des Buches, welches Alfred Huth 1988 erfolgreich publiziert hat und das bislang in drei Auflagen erschienen ist. Zudem wirkte er an vielen weiteren Publikationen als Autor und Redakteur mit. Stellvertretend hierzu genannt werden sollte Band 1 der Buchreihe „Das Banat und die Banater Schwaben“, der von Engelmann/Klugesherz herausgebrachte Band über Temeswar im Jahr 1990, oder die Festschriften, die zum 30- und 40-jährigen Bestehen der Landsmannschaft der Banater Schwaben erschienen sind.  

Von Bedeutung war auch seine Tätigkeit für die Heimatortsgemeinschaft Bakowa:  

Alfred Huth war Mitinitiator und Organisator des Gründungstreffens der HOG Bakowa 1978 in  Pforzheim. Von 1978 bis 1983 war er deren stellvertretender Vorsitzender. Auch viele Jahre danach hat er unsere Heimatortsgemeinschaft tatkräftig unterstützt und die Heimatortstreffen mitorganisiert.

1986, zur 200-Jahr-Feier von Bakowa, war es wiederum Alfred Huth, der die vielbeachtete Gedenkschrift „Der Weinort BAKOWA in der Banater Hecke“ herausbrachte.

Über diese Festveranstaltung hat er gemeinsam mit Reinhard Winnewisser einen sehenswerten Dokumentarfilm erstellt. Dieser Film wurde bei über 70 öffentlichen Veranstaltungen vor sehr vielen Interessierten gezeigt und ist ein wertvolles Zeitzeugnis über Bakowa.

Noch im Alter von 88 Jahren war er für Bakowa tätig und übersetzte die Webseite der HOG Bakowa ins Rumänische.

Für seine langjährigen und umfassenden Tätigkeiten für die Landsmannschaft der Banater Schwaben und für die Gemeinschaft der Bakowaer wurden ihm die Verdienstmedaille in Gold und die Prinz-Eugen-Nadel verliehen.  

Als Vorsitzender des Kreisverbandes der Ruhestandsbeamten Sinsheim organisierte Alfred Huth über 20 Jahren lang über 80 verschiedene ein- und mehrtätige Bildungsfahrten ins In- und Ausland.   

Seine vielseitigen Interessen, sein offenes Wesen, sein trockener Humor und seine Hilfsbereitschaft machten es ihm leicht, Kontakte zu knüpfen und zu halten und rege am gesellschaftlichen Leben teilzunehmen.

Er war eine starke Persönlichkeit, die sowohl im Beruf als auch privat hoch geschätzt wurde, die mit einem unerschütterlichen Optimismus gesegnet war und die Gabe hatte, immer nach vorne zu blicken.

Mit Alfred Huth verliert die Gemeinschaft der Banater Schwaben, insbesondere die der Bakowaer, einen hervorragenden Mitstreiter, einen Vordenker und Helfer.

Durch seine freundliche und immer hilfsbereite Art  wird er uns für alle Zeit in angenehmer Erinnerung bleiben.

Unsere herzliche Anteilnahme gilt seiner Frau Anni und Familie.

 

 

                                                                                                                                                    Konrad Formanek,  Edeltraut Didicher-Bischof 

 

 

 

 

 

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