HOG Bakowa: Zum Tod von Schuldirektor i.R. Andreas Vincze

 

   Wen die Götter lieben, den machen sie zum Lehrer

 


 

 

Der ehemalige Schuldirektor der Allgemeinschule Bakowa, Andreas Vincze ist am 2. Oktober 2022 im Alter von 97 Jahren verstorben.

 

Als zweites Kind einfacher Leute wurde Andreas Vincze am 11. Juni 1925 in Bakowa geboren. Nach dem frühen Tod seines Vaters Andreas Vincze sen. im Jahre 1937 trat Andreas jun. als Zögling in den Salvatorianerorden ein. Bis 1941 war er ein Lernender des Römisch-Katholischen Deutschen Gymnasiums - Banatia- in Temeswar, und anschließend bis 1944 ein fleißiger und strebsamer Schüler am Prinz-Eugen-Lyzeum innerhalb der Banatia. Unbeschwert konnte er seine Schulzeit jedoch nicht genießen, denn der Ernst des Lebens hatte ihn ja bereits als Kind zu einem ernsthaften, verantwortungsvollen und pflichtbewussten Sohn und Bruder heranwachsen lassen. Dazu kam, dass die Schatten des zweiten Weltkrieges rasant immer näher rückten und im Winter 1945 auch das Banat erreichten. Am 14. Januar 1945 war Andreas eine der 407 Personen von Bakowa, die als Zwangsarbeiter in die Sowjetunion deportiert wurden. Dank seiner leichten Auffassungsgabe hat Andreas schnell die russische Sprache erlernt. Selbstlos hat er fortan seine Sprachfertigkeit eingesetzt, um ruhig und besonnen als Dolmetscher bei den russischen Aufsehern zu fungieren und für die Belange seiner Mitmenschen einzutreten. Dadurch wurde das harte und entbehrungsreichen Leben in der Deportation etwas erträglicher für sie. Im Herbst 1949 war Andreas einer der Heimkehrer aus der Deportation, gereift an den durchlebten Jahren in der Fremde und gefestigt in seinen inneren Werten und Zielen.

 

Im Frühjahr des Jahres 1950 heiratete er Anna Huth, die er bereits in Russland näher kennen- und lieben gelernt hatte. Nur ihre Kinderlosigkeit war ein Wermutstropfen in ihrer sonst so harmonischen Ehe.

Doch das Schicksal hat für Ausgleich gesorgt und ihm in den folgenden Jahren viele Kinder anvertraut - wie es sinnverwandt in einer Grabinschrift lautet, eingemeißelt in den Grabstein eines Lehrers im Friedhof von Bakowa: "Wen die Götter lieben, den machen sie zum Lehrer."

 

Nach seiner Heimkehr hat Andreas von 1949 bis 1953 als Lehrer an der Schule von Bakowa gearbeitet. Gleichzeitig hat er von 1951 bis 1952 ein Fernstudium an der Deutschen Pädagogischen Lehranstalt Temeswar belegt, das er erfolgreich abgeschlossen hat. Mit dem Lehrerdiplom in der Hand, trat er 1953 die Stelle eines Gymnasiallehrers an der deutschen Abteilung des Lyzeums Lugosch an, wo er bis 1955 tätig war. Sicherlich kannte er das Bibelzitat "Der Prophet gilt nichts im eigenen Land", ließ sich jedoch nicht davon abschrecken und kehrte 1955 in seinen Heimatort Bakowa zurück. Mit Leib und Seele vom Lernenden zum Lehrenden geworden, blieb er dort als Lehrer tätig bis 1985 zum Eintritt in den wohlverdienten Ruhestand. Während diesen 30 Jahren hat er auf seine stille und besonnene Art und gleichzeitig mit ausdauernder Zielstrebigkeit das bewirkt, was in der von ihm verfassten "Monographie  der Banater Heckengemeinde Bakowa" als Motto steht:

"Unseren Toten zum Gedächtnis,

den Lebenden zum Vermächtnis;

unseren Vorfahren zur Ehre,

den Nachkommen zur Lehre."

 

1962  hat Andreas von seiner Kusine Anna Huth die Staffel übernommen, um zukünftig die Geschicke der im gleichen Jahr fertiggestellten neuen Schule von Bakowa als Direktor zu leiten. Und gleichzeitig blieb er auch als Lehrer noch ein Lernender. So fühlte er sich berufen, von 1967 bis 1971  in einem Fernstudium (Geschichte und Erdkunde) an der Pädagogischen Hochschule Temeswar seinen Diplomabschluss zu machen. 1968 wurde ihm der Arbeitsorden für Verdienste im Lehramt verliehen.

 

Neben seinem Engagement als Lehrer fand Andreas auch noch die nötige Zeit und Muße, um sich dem sozial-kulturellen Leben der Dorfgemeinschaft zu widmen. In unermüdlicher Kleinarbeit hat er jahrelang Daten und Informationen, Fotos und Nachweise zusammengetragen, um sie in einer "Monographie der Banater Heckengemeinde Bakowa" allen Interessierten zugänglich zu machen. Dieses einmalige Werk konnte er 2000 abschließen und veröffentlichen. 

Seiner Begeisterung für das Theater war es zu verdanken, dass er ehemalige Schüler auch noch als Erwachsene für eine Laienspieler-Theatergruppe begeistern konnte.  Mit Hingabe leitete er die Proben, bis das Stück unter seiner Regie auf die Bühne gebracht werden konnte, um bei den Dorfbewohnern in der Winterzeit für eine genussvolle Unterbrechung des Alltags zu sorgen. Das letzte Theaterstück wurde anlässlich der 200-Jahr-Feier von Bakowa 1986 aufgeführt.

1989 ist Andreas Vincze nach Deutschland ausgesiedelt, wo er mit seiner Frau Anna in Augsburg eine neue Heimat fand.

 

Andreas Vincze war ein feiner Mensch mit natürlichem Taktgefühl, hochgeschätzt sowohl im Lehrerkollegium als auch bei den Dorfbewohnern - nicht zuletzt auch deshalb, weil er selbst sein Gegenüber stets als Mensch wertgeschätzt hat, ungeachtet dessen Herkunft und Bildung.

Er war ein Lehrer, der das Alte schätzte und das Neue verstand, der liebte, sowohl was er unterrichtete als auch diejenigen, die er unterrichtete, der bei seinen Schützlingen den Durst nach Wissen und Wahrheit zu wecken verstand und ihnen auch das vermittelte, was nicht in den Lehrbüchern stand: dass es im Leben vor allem auf die inneren Werte ankommt, die in ihrer Beständigkeit jegliche Zeit überdauern.

Als solcher wird er in der Erinnerung seiner Familie, seiner Lehrerkollegen, Schüler und Landsleute weiterleben.

 

Möge seine Seele ruhen in ewigem Frieden!

 

 

 

 

 

Text: Hildegard Grimm

 

 

 

 

 

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