Bakowa für einen Tag in Sinsheim

Was man mit Geld nicht kaufen kann

 

'Was vergangen, kehrt nicht wieder - ging es aber leuchtend nieder - leuchtet's lange noch zurück!' (Johann Wolfgang von Goethe) Mit nur einem Satz lässt sich das Heimatortsgemeinschaftstreffen der Bakowaer wohl nicht treffender beschreiben, besonders für all jene, die es  miterleben konnten. Denn am 27. September, da war mal wieder Bakowa für einen Tag in Sinsheim! Und das war dieses Mal nicht so selbstverständlich wie all die andern Jahre zuvor. Schließlich liegt das letzte Treffen der HOG Bakowa  erst ein Jahr zurück. Und  das Heimattreffen an Pfingsten in Ulm hat ja auch Anlass zu Begegnung geboten. Umso erfreulicher war es für den Vorstandsvorsitzenden Ernst Bayerle und sein Kollegium nach der Vorstandssitzung, dass sie dennoch so zahlreiche Gäste beim Sektempfang ab 13 Uhr begrüßen konnten. So wurde schon in der Eingangshalle jeder einzelne Gast durch die Mitglieder des Vorstands persönlich willkommengeheißen mit einem Glas Sekt. Und wie vertraut klang dabei selbst jeder Laut der Geräuschkulisse im Hintergrund, auch wenn der Sinn der Worte nicht zu erfassen war - es war der schwäbische Dialekt, die Muttersprache! Und die einladend geöffnete Tür zum Festsaal gab den Blick frei auf den nächsten Willkommensgruß: Blumen auf jedem Tisch - ein stummer und doch so beredter Gruß als Geste der Verbundenheit von Mensch zu Mensch, wofür Edeltraud Didicher-Bischof und Silke Bayerle gesorgt hatten.

 

Und über einen Gruß freut sich doch jeder Mensch, besonders wenn er dabei nach langer Zeit ehemalige Dorfleute nicht nur wiedersieht, sondern auch wiedererkennt und von ihnen wiedererkannt wird. Diese Freude, die sich dann in den Augen des andern widerspiegelt, kann man nicht kaufen! Und auch das Zusammengehörigkeitsgefühl unserer Landsleute, das sie trotz räumlicher Trennung durch ihren Besuch beim HOG-Treffen bezeugten, lässt sich mit Geld nicht aufwiegen! Jeder warme Händedruck bei der Begegnung, jede innige Umarmung, jedes herzliche Wort, selbst jedes freundliche Lächeln nur im Vorbeigehen oder jeder wohlwollende Blick, manchmal nur von Ferne, ist wie ein kleines Juwel, das in der Schatzkiste der Erinnerungen unermesslich wertvoll wird. Warum? Weil es keineswegs mehr zu den einst kleinen Selbstverständlichkeiten des Alltags gehört! Und all zu oft lernen wir das erst zu schätzen durch den Verlust und werden dann dankbar dafür, wenn wir nur einen kleinen Teil davon zurückbekommen können. Dabei kostet es kein Geld und bereichert doch sowohl den Gebenden als auch den Empfangenden.

 

Sicherlich war auch der Glockenklang der Heimatkirche - auch wenn er nur vom Tonband kam - ein bereicherndes Geschenk für jeden anwesenden Bakowaer. Denn wie lange ist es her, dass der Festgottesdienst vom vertrauten Klang der Heimatglocken eingeläutet wurde!?! Als die 18 Trachtenpaare sich um den in der Stadthalle aufgebauten und festlich geschmückten Altar versammelt hatten, zelebrierte Heimatpfarrer Reinholdt Lovasz den Gottesdienst. Mit dem Messgesang "Wohin soll ich mich wenden" hat der ehemaligen Bakowaer Kirchenchor unter der Leitung von Katharina Schlapansky zur musikalischen Gestaltung der Messfeier beigetragen. Ein besonders ergreifender Moment war das Erklingen des Liedes "Heimatglocken". Am Schluss des Gottesdienstes erbat, gemäß der Tradition, Vortänzerin Elisa Schöffler in ihrem Spruch den Segen von Pfarrer Lovasz für den geschmückten Rosmarein, die Trachtenpaare und alle Mitfeiernden. Es war wie einst am Kirchweihfest in Bakowa! Und dennoch hat es so einen Gottesdienst selbst seinerzeit in Bakowa nicht gegeben: Messfeier unmittelbar unterm "Moojepoom".

 

Da viele der Trachtenträger auch Mitglieder in Tanzgruppen der DBJT sind, konnten sie die Schaulustigen im Freien vor der Halle mit einer gelungenen Tanzeinlage überraschen. Die im Saal verbliebenen Gäste genossen während dieser Zeit bei einer Tasse Kaffee die Köstlichkeiten des Kuchenbuffets und tauschten erste Neuigkeiten aus. Pünktlich um 18 Uhr begleitete Marschmusik den festlichen Einzug der Trachtenpaare, angeführt von den Geschwistern Elisa und Nils Schöffler  als stolze Vortänzer mit geschmücktem Rosmareinstrauß. In seiner Ansprache hat Vorstandsvorsitzender Ernst Bayerle alle Anwesenden ganz herzlich begrüßt, vor allem die Trachtenpaare und im Besonderen jene der Tanzgruppe Esslingen, zu deren Mitwirkenden auch das Vortänzerpaar gehört. Nachdem zu den Musikklängen der Band "Top 2" das Vortänzerpaar den Tanz eröffnet hatte, folgte das Straußaustanzen, wie es von Vortänzer Nils Schöffler in seinem Spruch bereits vorher angekündigt worden war. Die  kurzen Tanzpausen wurden von den Jungs in Tracht genutzt, um einigen Gästen eine Kostprobe des Kerwei-Weins zu kredenzen. Damit verbunden wurden auch die Lose verkauft für die spätere Verlosung von Hut und Tuch, deren überraschte und zugleich stolze Gewinner Stefan Stumpilich und die kleine Lisa Batzina waren.

Im Laufe des Abends wurden auch alle Gäste im Saal noch einige Male überrascht: Lars Wild trug ein Gedicht in schwäbischer Mundart vor, Rosemarie Petla und Oswald Wolf gaben einen lustigen Sketch zum besten und die Esslinger Tanzgruppe - die Mädchen in Dirndl und die Jungen in Lederhosen - unter der Leitung von Renate Krispin begeisterte das Publikum mit einer Tanzeinlage von bayerischen Tänzen. Das war so ansteckend, dass selbst die ältere Generation manch Zipperlein vergaß und anschließend fröhlich das Tanzbein geschwungen hat bis weit nach Mitternacht.

 

So konnten die Veranstalter rundum sichtlich zufrieden sein: es war ihnen gelungen, durch die gute Zusammenarbeit der vielen fleißigen Helferinnen und Helfer schon im Vorfeld alles entsprechend zu organisieren, damit dieses Treffen ein voller Erfolg wurde. Ihnen allen sei auf diesem Wege nochmals ein herzliches Dankeschön ausgesprochen, wenngleich der schönste Dank für sie wohl der war, wenn sie bei der Verabschiedung der Gäste immer wieder hören konnten: SCHÖN WAR'S!

 

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