Der Weinbau der Bakowaer


Was den Bakowaern ihre besondere Bekanntheit und Wertschätzung einbrachte, war der Weinbau. Es muss wohl ein von Rhein, Mosel und Neckar mitgebrachtes Erbe gewesen sein, welches die findigen Menschen erkennen ließ, dass der vulkanische Gesteinsboden des verwilderten Silascher Berges sich besonders zum Anbau der Weinrebe eignen müsste.
Schon um die Mitte des 19. Jh. begannen sie, neben der Landwirtschaft mit viel Geschick und Erfolg Weinbau zu betreiben. Die hochwertigen Erträge und damit der Wohlstand wuchsen von Jahr zu Jahr, bis die Weingärten um 1890 vollständig von der aus Amerika eingeschleppten Reblaus vernichtet wurden. Zum Glück hatten sich die Bakowaer nicht gänzlich auf den Weinbau verlegt, so dass sie sich schon nach wenigen Jahren erholt hatten und ihre Weingärten neu anlegten, diesmal aber auf widerstandsfähigen Direktträgern, auf die das Edelreis aufgepfropft wurde.

Obwohl fast jedes Haus seinen eigenen Wein im Keller oder in der "Weinkammer" hatte, war übertriebener Alkoholgenuss bei den Bakowaern unüblich; vielmehr war für den Bakowaer "...jene Enthaltsamkeit die löblichere, die nicht gebraucht, was zu Gebote steht. Er sagt vielmehr, im Buche der Weisheit steht es: Wein und Weiber führen den Weisen auf Abwege; darum lässt er sein Erzeugnis von Anderen genießen, trägt den Erlös zur Sparkassa  und macht von der heimischen Gottesgabe nur ganz wenig Gebrauch." (aus dem 1919 von H. Wettel erschienenen Buch "Der Busiascher Bezirk", S. 45 ff)

Mehr über den Weinbau der Bakowaer

Man kann nicht über den Weinbau sprechen, ohne auch die von den Bakowaern bevorzugten Weine aufzuzählen:     
- Zackelweiß,
- Portugieser,
- Riesling,
- Schiller (weiß)
- Rotschiller
- Muskat Ottonel.
Neben diesen veredelten Reben wurden auch Direktträger verarbeitet, überwiegend Massenträger wie zum Beispiel Hundertfacher.

Obwohl die Arbeit auf dem Silascher Berg sehr anstrengend und ermüdend war, wurde sie dennoch mit viel Eifer und Fleiß erledigt, wusste man doch, dass der Weinbau gewinnbringender war als die Feldarbeit.

Insgesamt besaßen die Bakowaer vor der Enteignung 1945 ca. 880 Katastraljoch Weingarten, durchschnittlich hatte jede Familie ungefähr 2 - 3 Joch (1 Joch = 5754 m2). Im Schnitt "fechste" man je nach Jahrgang 1500 bis 2000 Liter Wein je Joch, umgerechnet für ganz Bakowa waren dies jährlich ca. 15000 Hektoliter, bzw. ca. 680 Liter Wein je Einwohner.

Die Arbeit in den Weingärten begann meist Mitte März (wenn der Boden trocken genug war), mit "uffdecke", "schneide" und "Phähl schlaan" (aufdecken, schneiden und neue Pfähle schlagen).

Zu "heften" begann man, sobald die neuen Triebe zu lang gewachsen waren.

Die körperlich schwerste Arbeit war wohl das Spritzen. Um die jungen Triebe gegen Rost zu schützen, musste der Weingarten ab Anfang Mai regelmäßig mit einer 2%-igen Kupfervitriol-Lösung ("Plohstaan") gespritzt werden. Durchschnittlich wurde der Weingarten jährlich 5mal gespritzt und 3mal gehackt, wobei vor jedem Spritzen zusätzlich auch "geheftet" und evtl. "gestutzt" wurde.
Diese Arbeiten dauerten in der Regel bis Ende Juli.

Danach, bis zum Beginn der Weinlese wurde in den Weingärten nicht gearbeitet.
Je nach Wetter begann die Weinlese Mitte September.
Obwohl die meisten Weinbauern gleich mehrere Rebsorten in ihrem Weinberg hatten, war eine sortenreine Weinlese nicht üblich, man trennte bloß die weißen von den roten Trauben. Trotzdem wurde daraus ein sehr guter Wein gemacht. Dies spricht für die Geschicklichkeit und das Können der Winzer.

Die gelesenen Weintrauben wurden gleich vor Ort gemahlen, die Maische abends mit dem Pferdegespann nach Hause gefahren und dann dort gekeltert.
Der süße Traubenmost war besonders bei den Kindern ein begehrtes Getränk, der mehrere Tage alte Rampasch wurde von den älteren Männern bevorzugt.
Der Weinausbau in Holzfässern im eigenen Keller war in der Regel bis Februar, März abgeschlossen, erst dann begann der Verkauf.

Die heute in deutschen Weinbaugebieten erlaubte und angewendete Anreicherung des Mostes mit Saccharose oder die Süßung des Weines mit Süßreserve war bei den Bakowaer Winzern nicht üblich.

Die Weinkäufer waren fast ausschließlich Gastwirte aus Temeschburg.
Die Vermittlung zwischen Verkäufer und Käufer kam oft durch einen "Kupetz" zustande. Dies waren Vermittler aus Bakowa, welche die Qualität des Weines gut beurteilen konnten und prozentual am Verkauf beteiligt wurden.

Radikal geändert hat sich der Weinbau der Bakowaer nach dem zweiten Weltkrieg. Durch die Enteignung der Weingärten wurde der Bevölkerung die wichtigste Einnahmequelle entzogen.
Für den Teil der Einwohner, welche bei der Staatsfarm (rum: Gostat, 400 ha) Arbeit fanden oder der Kollektivwirtschaft (18 ha) beigetreten sind, blieb zwar die schwere Arbeit die gleiche, wurde aber schlecht bezahlt, der Gewinn aus dem Weinverkauf ging an den Staat.
Der Wein, vorher aus Bakowa, jetzt aus der staatlichen Kellerei Busiasch, hatte immer noch einen guten Ruf.
Sowohl für den eigenen Bedarf als auch für den privaten Verkauf wurden in den 60er Jahren in fast allen Höfen Weinreben als "Spalier" angepflanzt, in den Höfen wurden ungenutzte Flächen für den Weinbau verwendet, wurden doch die ehemals großen Hofflächen nicht mehr benötigt. Die Weinqualität war zwar nur bedingt mit der vom Weinberg zu vergleichen, mit viel Geschick gelang es den Bakowaern aber dennoch, zum Teil gute Weine zu erzeugen, die auf dem Privatmarkt in Temeswar immer noch reißenden Absatz fanden.
Nebenbei muss aber auch bemerkt werden, dass die Anbaufläche in Hof und Hausgarten für einige Bakowaer doch zu klein war, also mussten andere Methoden zur Erzeugung von mehr Wein angewendet werden: Der Trester wurde mit Wasser und Zucker behandelt und nochmals gekeltert. Daraus entstand ein schlechter Wein (spöttelnderweise "Nylonwein" genannt), den man weniger genießen konnte, der aber schnell für einen starken "Brummschädel" sorgte.

Heute (im Jahr 1999) kann man fast keinen Bakowaer Wein mehr kaufen. Die Weingärten sind verwildert, zum Teil ausgedorrt. Die derzeitigen rumänischen Bewohner aus Bakowa und Silasch haben die Chance nicht genutzt, den guten Ruf des Weines aus dieser Gegend zu bewahren und daraus wieder eine sprudelnde Einnahmequelle zu erschließen.
"Die Schatzgräber" von Gottfried August Bürger haben sie nicht gelesen.

Was noch bleibt, sind die Erinnerungen an den Silascher Berg und an den Bakowaer Berg, an die zum Teil doch sehr schwere Arbeit, aber auch an die schönen und lauen Sommerabende nach getaner Arbeit im Silascher Haus auf dem Weinberg, aber vor allem an den schmackhaften, vorzüglichen Wein, durch den Bakowa wohlhabend und bekannt wurde, und der im ganzen Banat seinesgleichen suchen konnte.


Zurück zur Hauptseite